Was wird aus der Integrierten Rettungsleitstelle in Bad Kreuznach?

 

Es gibt Situationen, in denen Bürger auf die schnelle und koordinierte Hilfe von Profis angewiesen sind, wenn zum Beispiel ein Rettungswagen gefragt ist. Diese koordinierte und unmittelbare Hilfe bietet die Integrierte Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst, die im Auftrag des Roten Kreuzes in Bad Kreuznach in der Lotharstraße in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus St. Marienwörth betrieben wird. Dabei umfasst das Zuständigkeitsgebiet der Leitstelle die Landkreise Bad Kreuznach, Birkenfeld und den Rhein-Hunsrück-Kreis. Alle Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst beziehen sich auf ein Gebiet von 2.600qkm, für rund 347.000 Einwohner.

 

Diese wichtige Bedeutung und die Gerüchte, dass die SPD-geführte Landesregierung diese Leitstelle nach Mainz verlegen wolle, waren Anlass für die heimische Abgeordnete Julia Klöckner, sich vor Ort zu informieren und reinzuhören. Teamleiter der Leitstelle Bad Kreuznach, Hans-Jörg Kappaun, empfing die CDU-Politikerin im großen Einsatzraum, um dort beispielhaft die Arbeit eines Einsatzkoordinators (Disponent) kennenzulernen (s. Bild). Täglich gehen ca. 1300 Anrufe ein. Bis zu 600 Einsätze koordinieren die Disponenten der Leitstelle jeden Tag. Zu ihrer Aufgabe gehört nicht nur die Vermittlung der Einsätze; sie betreuen auch den Anrufer am Telefon und geben Anweisungen für erste Hilfsmaßnahmen.

Somit geht es um die wichtige Aufgabe der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr in drei Landkreisen. Hierzu zählt unter anderem die Abfrage der europaweiten Notrufnummer 112, die gesamte Disposition des öffentlich-rechtlichen-Rettungsdienstes, die Alarmierung und Führungsunterstützung des Katastrophenschutzes, sowie die erweiterte Erstalarmierung und Führungsunterstützung der Feuerwehren, der drei angeschlossenen Landkreise. Hieraus resultiert ein ständig ansteigendes Einsatzaufkommen von zurzeit etwa 135.000 Einsätzen pro Jahr.

„Ich bin sehr beeindruckt von der Professionalität, von dem Überblick, den die Disponenten von den Landkreisen, die sie betreuen, haben. Konzentration, Ruhe, konkrete Ansagen - die Mitarbeiter sind das Herz dieser Leitstelle und eine moderne Technik“, so Julia Klöckner. Die Leitstelle Bad Kreuznach verfügt über die Möglichkeit einer ständigen digitalen Vernetzung mit allen weiteren Integrierten Leitstellen und Rettungsleitstellen in Rheinland-Pfalz. Hierdurch können Einsätze ohne zeitaufwendiges Telefonat zwischen den einzelnen Leitstellen verschickt werden. Alle Einsatzmittel des Rettungsdienstes sind mit Datenfunk und GPS ausgestattet und senden in kurzen Abständen ihren Standort. So kann dem gesetzlichen Auftrag, immer das nächste geeignete Einsatzmittel zu schicken, Folge geleistet werden.

Nun ist zu hören, dass die Landesregierung plane, die Rettungsleitstellen in Rheinland-Pfalz zusammenzuziehen. Überlegt wird, die Zahl der Leitstellen von acht auf fünf zu reduzieren. Grundlage für das räumliche Konzept soll ein Gutachten sein, das erst für Ende November angekündigt ist. Aber anscheinend sollen schon vorher Nägel mit Köpfen gemacht werden. Es ist durchgesickert, dass der Standort Bad Kreuznach gefährdet ist. Die Mitarbeiter in Bad Kreuznach sollen künftig nach Mainz fahren und dort ihren Dienst für Bad Kreuznach tun. Der Standort Mainz soll dann durch einen Neubau in Zukunft für eine vielfach größere Fläche zuständig sein.

Julia Klöckner ist skeptisch hinsichtlich einer Zentralisierung in der Stadt Mainz: „Eine Reform der Leitstellen ist nur sinnvoll, wenn das Ergebnis wirklich besser ausfällt als der Ist-Zustand – nicht nur einfach anders. Gerade im Bereich gesundheitlicher Versorgung wollen wir im Land eine Abdeckung in der Fläche. Eine Stärkung des ländlichen Raums erreicht man nicht mit dem Abbau von Infrastruktur. Da braucht es für eine Zentralisierung nach Mainz schon tragfähige Argumente.“ Zudem betonte die Abgeordnete, dass gerade die Landeshauptstadt bereits heute schon „verstopft„ sei mit Verkehr, Staus und vielen zentralen Organisationen. Da müsse es nicht noch die Zentralisierung der Leitstelle just in Mainz vorgenommen werden.

Eine neue Leitstelle in Mainz wäre für ungefähr eine Millionen Menschen zuständig. Das Einsatzgebiet ginge dann von Worms bis Boppard und Baumholder. Auch wenn technisch eine Zusammenlegung möglich sei, gäbe es eine menschliche Komponente mit Blick auf die Belastung der Mitarbeiter, aber auch dass dann Ansprechpartner vor Ort für den Landkreis wegfallen würden. „Wir dürfen bei aller technischen Machbarkeit die Menschen nicht vergessen. Die Kreuznacher Disponenten, die z.T. sogar von der saarländischen Grenze in die Kurstadt kommen, haben bei einer Versetzung nach Mainz einen längeren Arbeitsweg, und die für ihre Arbeit z.B. bei den Notrufen nötige Ortskenntnis wird bei dem viel größeren Gebiet nicht zu gewährleisten sein. Angesichts des Fachkräftemangels sollte man vorsichtig sein, dass gut ausgebildete Mitarbeiter, die wir dringend brauchen, nicht das Handtuch werfen“, bemerkt Julia Klöckner. Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass eine Zentralisierung einer krisenrelevanten Infrastruktur just in Mainz auch Gefahren berge. Risiken sollte man dezentralisieren und nicht konzentrieren, auch mit Blick auf Anschlagsziele.

Bild: Hans-Jörg Kappaun, Teamleiter Leitstellen DRK (links) und Julia Klöckner, MdL, an einem Arbeitsplatz eines Disponenten.