Journalist Stefan Aust begeisterte bei Kreuznacher Gesprächen

 

 Das Format hat schon Tradition- und hunderte von Anhängern: Die Bad Kreuznacher Gespräche der heimischen CDU-Abgeordneten, Julia Klöckner MdL, haben sich etabliert. Sie sind Markenzeichen für interessante Gespräche mit prominenten, bedeutenden Gästen aus dem Gesellschaftsleben.

Dieses Mal war kein Geringerer als der Journalist und Autor, der ehemalige SPIEGEL-Chefredakteur und heutige Herausgeber der WELT, Stefan Aust, an die Nahe gekommen. Julia Klöckner und Stefan Aust kennen sich seit Jahren, die Politikerin erfuhr faszinierende Details aus seinem überarbeiteten RAF-Standardwerk, das zur Buchmesse in Frankfurt jüngst vorgestellt wurde. Das war Anlass, ihn einzuladen, um über die Themen Terrorismus, aber auch über die Medienentwicklung in Zeiten des Internets zu sprechen.

Aust, der SPIEGEL TV erfand und SPIEGEL online als „Tageszeitung im Internet“ entwickelte, zog in der Frage- und Antwortrunde mit der CDU-Politikerin das Publikum in den Bann. Mit einer pointierten Sprache, provozierenden Ansichten und vielen Informationen aus seiner reichhaltigen Medienerfahrung unterhielt er fast zwei Stunden lang die fast 500 Besucher im Kurhaus. Die Rollen wurden für einen Abend getauscht – die Politikerin interviewte den Journalisten. Es ging über die Zukunft der Medien, den Vertrauensverlust der Zeitungen, über die Bundeskanzlerin, Fake-News im Internet und die RAF.

Zu Beginn jedoch fragte Julia Klöckner, die selbst eine Ausbildung zur Journalistin gemacht und einst als Chefredakteurin gearbeitet hat, Stefan Aust nach seinem Kollegen, dem Journalisten Deniz Yücel. Seit Februar 2017 ist er in der Türkei inhaftiert. Aust: „Eine furchtbare Angelegenheit. Ich werde demnächst hinfahren.“ Aust ist ein Macher – auch in schwierigen Situationen. Auch nach seiner SPIEGEL-Zeit prägte der passionierte Reiter und Pferdezüchter aus Niedersachsen die mediale Landschaft in Deutschland.

Die These von einer Krise im Journalismus will er nicht stehen lassen. Er bestätigte, die Medienwelt werde sich verändern, aber an einen Untergang glaubt er nicht. Die Menschen seien damals wie heute klug genug, um Fake-News von Qualitätsjournalismus unterscheiden zu können. Dem widersprach Julia Klöckner: „Falschmeldungen verbreiten sich rasend schnell gerade durch einen Klick im Internet. Und leider setzen sie sich auch fest. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Medienkompetenz in Schulen stärken, um eine kritische Haltung, auch die gesunde Skepsis gegenüber dem, was im Internet steht, zu fördern.“

Es war ein unterhaltsamer und sehr informativer Abend – mit einem gut gelaunten Stefan Aust und Julia Klöckner, die wieder mal einen echten Promi an die Nahe holen konnte. Wir dürfen gespannt sein, wer es das nächste Mal sein wird.