95 Kinder aus 17 Nationen

Juni 23, 2026 | Pressemeldungen

Wer an eine Kita denkt, hat oft ein bestimmtes Bild vor Augen: spielen, basteln, vorlesen. In der Kita Regenbogen in Idar-Oberstein sieht der Alltag häufig anders aus. Hier wird mit Symbolen erklärt, mit Händen und Füßen kommuniziert. Viele Kinder lernen erst Deutsch. Andere brauchen aufgrund von Autismus oder Verhaltensauffälligkeiten besonders intensive Begleitung. Und auch Eltern müssen sich oft erst im deutschen Bildungs- und Betreuungssystem zurechtfinden.

Für die heimische Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner zeigt genau dieser Blick in die Praxis, dass die Diskussion über die Ausstattung von Kitas zu oft an der Wirklichkeit vorbeigeht.

Gemeinsam mit dem CDU-Kreisvorsitzenden Frederik Grüneberg informierte sie sich in der Kita Regenbogen über die Situation vor Ort. An dem Gespräch nahmen außerdem Kitaleiterin Stephanie Jung, Erzieherinnen und Erzieher der Einrichtung, Kerstin Schneider, Geschäftsführerin des Trägers Vekio, sowie Jürgen Gosert vom Kirchenkreis Obere Nahe teil.

95 Kinder aus 17 Nationen besuchen die Kita in der Innenstadt. Für die Erzieherinnen und Erzieher bedeutet das: zuhören, übersetzen, vermitteln, auffangen – und immer wieder individuell auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes eingehen. Viele Fachkräfte sprechen zusätzliche Sprachen und bauen damit wichtige Brücken zwischen Kindern, Eltern und Kita. Ohne dieses Engagement würde manches im Alltag kaum funktionieren.

„Es macht einen Unterschied, ob in einer Gruppe 20 Kinder betreut werden, die wenig zusätzliche Unterstützung brauchen, oder ob mehrere Kinder dabei sind, die intensive Begleitung benötigen“, so Julia Klöckner. „Diesen Unterschied bildet das derzeitige System nicht ausreichend ab.“

Nach dem sogenannten rheinland-pfälzischen Kita-Zukunftsgesetz richtet sich die Personalbemessung in erster Linie nach der Zahl und dem Alter der Kinder sowie nach den Betreuungszeiten. Die Frage, welche konkreten Bedarfe die Kinder mitbringen, findet aus Sicht vieler Einrichtungen zu wenig Berücksichtigung.

„Es reicht nicht, nur zu zählen, wie viele Kinder in einer Kita sind und daraus den Personalbedarf abzuleiten“, betont Julia Klöckner. „Ein Kind, das gerade Deutsch lernt, braucht etwas anderes als ein Kind mit Autismus oder ein Kind mit besonderen sozialen Auffälligkeiten. Wenn wir wollen, dass jedes Kind die Unterstützung bekommt, die es braucht, um später im Leben selbstständig zu sein, dann muss sich das auch in der Personalausstattung widerspiegeln.“

Der Besuch in der Kita Regenbogen habe deutlich gemacht, wie groß die Lücke zwischen gesetzlichen Vorgaben und dem tatsächlichen Alltag in vielen Einrichtungen sei. Was von außen wie eine homogene Gruppe von Kindern wirke, sei in Wahrheit eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Bedürfnisse. Wer dieser Realität gerecht werden wolle, müsse genauer hinschauen – und Kitas die personellen Möglichkeiten geben, die sie dafür brauchen.

„Die Menschen vor Ort leisten enorm viel“, so die Bundestagsabgeordnete. „Aber wir dürfen nicht so tun, als wäre jedes Kind gleich zu betreuen.“

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