Ein Dorf hält zusammen – und fordert mehr Augenmaß

Juni 23, 2026 | Pressemeldungen

Rund 300 Einwohner, ein aktives Vereinsleben und ein stark genutztes Bürgerhaus: Fohren-Linden steht beispielhaft für funktionierenden Zusammenhalt im ländlichen Raum. Beim Besuch der heimischen Bundestagsabgeordneten und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gemeinsam mit Ortsbürgermeister Michael Reis, Verbandsbürgermeister Bernd Alsfasser, Mitgliedern des Gemeinderates sowie Bürgerinnen und Bürgern wurde deutlich, dass der Zusammenhalt im Ort vieles auffängt, die kommunalen Aufgaben jedoch zugleich stetig wachsen. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Frage, wie kleine Gemeinden ihre vielfältigen Anforderungen künftig noch bewältigen können.

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Kindertagesbetreuung. Fohren-Linden verfügt über keine eigene Kita, die Kinder werden im benachbarten Berschweiler betreut. Die dortige Einrichtung befindet sich im Eigentum der Ortsgemeinde Berschweiler. An ihrer Finanzierung beteiligen sich jedoch auch die Gemeinden des Einzugsgebiets – neben Berschweiler selbst sind dies Fohren-Linden, Eckersweiler und Mettweiler. Die Verantwortung für die Kinderbetreuung wird damit von mehreren Ortsgemeinden gemeinsam getragen.

Der derzeit diskutierte Ausbau der Einrichtung zeigt nach Angaben aus der kommunalen Praxis vor allem die Auswirkungen des sogenannten Kita-Zukunftsgesetzes. Für gerade einmal zwölf zusätzliche Plätze werden Investitionen von ganzen 1,4 Millionen Euro erforderlich. Zwar spielen auch bauliche Anpassungen und nachgeholte Maßnahmen aus früheren Jahren eine Rolle, entscheidend bleibt jedoch, dass die gestiegenen gesetzlichen Anforderungen den finanziellen und organisatorischen Aufwand deutlich erhöhen. Das Beispiel macht damit vor allem deutlich, wie stark das sogenannte Kita-Zukunftsgesetz die Kostenstruktur und Umsetzbarkeit von Erweiterungen in kleinen Kommunen prägt.

Das Gesetz wurde in der vergangenen Legislaturperiode von der damaligen Ampel-Landesregierung in Mainz beschlossen. In vielen Kommunen wächst jedoch die Sorge, dass die Vielzahl an Vorgaben notwendige Investitionen erschwert und verteuert. „Wir müssen bei allen wünschenswerten Forderungen endlich realistischer werden!“, so Julia Klöckner.

Die Diskussion in Fohren-Linden reiht sich damit in eine landesweite Debatte ein. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich sechs Prozent der Kitas in Rheinland-Pfalz über die empfohlene Personalausstattung verfügen. Das zeigt: Höhere Standards allein lösen die bestehenden Probleme nicht, wenn gleichzeitig Fachkräfte fehlen und die praktische Umsetzung an ihre Grenzen stößt.

„Niemand stellt infrage, dass unsere Kinder die bestmögliche Betreuung verdienen. Aber politische Entscheidungen müssen sich daran messen lassen, ob sie in der Praxis funktionieren“, betont Julia Klöckner. „Wenn notwendige Erweiterungen, Sanierungsmaßnahmen und die gestiegenen Anforderungen des Kita-Zukunftsgesetzes zusammenkommen, dann stimmt die Balance zwischen Qualitätsanspruch und Umsetzbarkeit nicht. Die Rückmeldungen aus den Kommunen müssen bei der angekündigten Weiterentwicklung des Gesetzes ernst genommen werden.“

Ortsbürgermeister Michael Reis ergänzt: „Wir wollen Familien gute Bedingungen bieten und unseren Beitrag leisten. Die Gemeinden im Einzugsgebiet ziehen dabei gemeinsam an einem Strang. Aber wir erleben ganz konkret, welche Auswirkungen insbesondere die Vorgaben des Kita-Zukunftsgesetzes auf kleine Gemeinden haben. Wenn Erweiterungen in dieser Größenordnung kaum noch finanzierbar erscheinen, brauchen wir Lösungen, die den Anspruch auf Qualität mit der Realität vor Ort zusammenbringen.“

Wie wichtig funktionierende Strukturen sind, zeigte sich auch an anderer Stelle. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist begrenzt. Wer nicht selbst mobil ist, ist häufig auf Nachbarn, Freunde oder den Bürgerbus angewiesen. Für die Bewirtung des Besuchs sorgte die Gruppe „Gemeinsam statt einsam“, deren regelmäßige Treffen und Aktivitäten längst zum festen Bestandteil des Dorflebens geworden sind.

Auch das Bürgerhaus, das Vereinen, Gruppen und Veranstaltungen als zentraler Treffpunkt dient, stößt inzwischen an seine Kapazitätsgrenzen. Über eine Erweiterung wird bereits nachgedacht – ein Zeichen dafür, dass das Miteinander im Ort gelebt wird und die vorhandenen Angebote angenommen werden.

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