Rund 100 Hektar Wald gehören zur Geracher Gemarkung – doch ausgerechnet der Brandweiher, der im Ernstfall zusätzliches Löschwasser liefern könnte, ist derzeit nur eingeschränkt nutzbar. 1976 wurde er angelegt, inzwischen müsste er dringend wieder instand gesetzt werden. Nach den Wald- und Vegetationsbränden der vergangenen Wochen drängt das Thema in der rund 250 Einwohner zählenden Gemeinde umso mehr. Bei einer Ortsbegehung mit der heimischen Bundestagsabgeordneten Julia Klöckner schilderten Ortsbürgermeister Jörg Klein, Mitglieder des Gemeinderates sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Situation und machten deutlich, warum sie sich eine schnelle Lösung wünschen.
Hinzu kommt die Situation der Wasserversorgung im Ort. Die Leitungen sind teilweise alt. Im Brandfall könne man sich deshalb nicht allein darauf verlassen, dauerhaft große Mengen Löschwasser aus dem Leitungsnetz zu entnehmen. „Wenn bei einem größeren Einsatz viel Wasser auf einmal gebraucht wird, müssen wir Alternativen haben. Dafür ist der Brandweiher wichtig“, erklärte Ortsbürgermeister Jörg Klein. Von einem funktionierenden Brandweiher würde dabei nicht nur Gerach profitieren. Im Ernstfall könnte er auch für Einsätze in umliegenden Orten als Löschwasserreserve dienen.
Julia Klöckner verwies auf die Wald- und Vegetationsbrände, die die Feuerwehren in der Region in den vergangenen Wochen stark gefordert haben. „Wir haben gerade erst erlebt, wie schnell sich solche Brände ausbreiten können und welche Wassermengen dann gebraucht werden. Wenn ein vorhandener Brandweiher wieder nutzbar gemacht werden kann, sollte das nicht über Jahre zwischen verschiedenen Zuständigkeiten hängen bleiben“, so Julia Klöckner. Derzeit seien mehrere Behörden und Stellen mit dem Vorhaben befasst. Sie wolle nachhaken, wo das Verfahren stehe und was notwendig sei, damit es vorangehe. Denn je länger gewartet werde, desto größer sei die Gefahr, dass sich der Zustand des Weihers weiter verschlechtere. Zudem könne eine Instandsetzung auch mit Blick auf den Hochwasserschutz interessant sein.
Auch die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr war Thema. Zwölf aktive Feuerwehrleute engagieren sich in Gerach. Das vorhandene Einsatzfahrzeug ist inzwischen 33 Jahre alt. Ortsbürgermeister Jörg Klein machte deutlich, dass eine Neuanschaffung für eine kleine Gemeinde eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt. Gleichzeitig seien die Lieferzeiten für neue Feuerwehrfahrzeuge lang.
Diskutiert wurde deshalb eine weitere Möglichkeit: gebrauchte, aber deutlich jüngere Einsatzfahrzeuge, etwa aus Beständen von Berufsfeuerwehren. Solche Fahrzeuge können beispielsweise erst zehn Jahre alt und noch viele Jahre einsatzfähig sein. Das Problem: Die Fördermöglichkeiten sind bei der Anschaffung gebrauchter Fahrzeuge begrenzt.
„Warum sollte eine kleine Gemeinde nicht gefördert werden, wenn sie sich bewusst für ein gutes gebrauchtes Fahrzeug entscheidet, statt sehr viel mehr Geld für ein neues auszugeben und darauf womöglich ein oder zwei Jahre zu warten?“, fragte Julia Klöckner. Gerade für kleinere Gemeinden könne das eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung sein. Sie kündigte an, das Thema gegenüber dem rheinland-pfälzischen Innenminister anzusprechen und nach den bestehenden Förderregeln sowie möglichen Änderungen zu fragen.
Beim Rundgang durch Gerach besuchte die Gruppe auch den erneuerten Spielplatz. Daneben ging es um eine ganz alltägliche Frage der Gemeindearbeit: Wie können Bekanntmachungen und wichtige Informationen möglichst unkompliziert an die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben werden?
Digitale Dorf-Apps bieten dafür Möglichkeiten, sind für kleine Gemeinden aber mit Kosten verbunden. Gleichzeitig stelle sich die Frage, wie viele Menschen bereit seien, für Informationen aus ihrer Gemeinde eine weitere App herunterzuladen. „Es muss einfach und niedrigschwellig sein. Wir brauchen keinen digitalen Selbstzweck, sondern einen Weg, über den möglichst viele Menschen tatsächlich erreicht werden“, sagte Jörg Klein.
Im Gespräch wurden deshalb auch Lösungen über bereits weit verbreitete Dienste wie WhatsApp angesprochen. Über Kanäle oder entsprechende Community-Funktionen könnten Gemeinden Informationen bündeln und verteilen, ohne dass klassische Gruppenchats entstehen, in denen alle Teilnehmer miteinander kommunizieren. Julia Klöckner regte an, unterschiedliche Modelle zu prüfen und dabei vor allem darauf zu achten, welche Lösung im Alltag tatsächlich angenommen werde.
Zur Sprache kam außerdem die ärztliche Versorgung. Auch in Gerach und der Umgebung wird es zunehmend schwieriger, wohnortnah einen Arzt zu finden. Eine Ärztin aus dem Gemeinderat berichtete aus ihrer beruflichen Praxis in Idar-Oberstein und von der schwieriger werdenden Suche nach jungen Ärztinnen und Ärzten, die bestehende Praxen übernehmen wollen.
„Wir wissen, dass in den kommenden Jahren viele Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen werden. Deshalb müssen wir jetzt darüber sprechen, wie Nachfolger gewonnen und Praxen im ländlichen Raum erhalten werden können – nicht erst, wenn die Türen geschlossen sind“, betonte Julia Klöckner. Sie stehe hierzu bereits im Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Gemeinsam sei eine Veranstaltung im Landkreis Birkenfeld geplant, bei der über die Entwicklung der ärztlichen Versorgung, bestehende Möglichkeiten und notwendige Schritte informiert und mit den Beteiligten vor Ort diskutiert werden soll.
Zum Abschluss dankte Julia Klöckner Ortsbürgermeister Jörg Klein, den Mitgliedern des Gemeinderates und den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern für den Austausch: „Bei einer Ortsbegehung kommen die großen und die ganz praktischen Fragen zusammen – vom Brandschutz über das Feuerwehrfahrzeug bis zur Information im Dorf. Entscheidend ist, dass aus den Gesprächen anschließend auch etwas folgt. Beim Brandweiher und bei der Förderung gebrauchter Feuerwehrfahrzeuge werde ich deshalb konkret nachhaken.“
