Ein Gemeinschaftshaus, das künftig deutlich mehr können soll, eine gute Glasfaserversorgung und Windräder im Nachbarort, deren Bau auch Leisel beschäftigt: Bei einer Ortsbegehung informierte sich die heimische Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner gemeinsam mit Ortsbürgermeister René Dietrich über aktuelle Themen der Gemeinde. Am Rundgang und Austausch beteiligten sich auch Mitglieder des Gemeinderates, Vereinsvorsitzende sowie Bürgerinnen und Bürger.
Erfreuliches konnte René Dietrich beim Thema Glasfaser berichten. Während der Ausbau in vielen kleineren Ortsgemeinden im Landkreis noch Fragen aufwirft, ist Leisel bereits gut mit schnellem Internet versorgt. Ein Standortvorteil, der auch zu einem weiteren Vorhaben der Gemeinde passt: dem Umbau des Gemeinschaftshauses.
Im ersten Obergeschoss befanden sich bislang Wohnungen. Die Räume sollen künftig für verschiedene öffentliche Nutzungen zur Verfügung stehen und das Gebäude so zu einem Mehrfunktionenhaus weiterentwickelt werden. Geplant sind unter anderem ein Büro für den Ortsbürgermeister, Räume für Kinderturnen und die Möglichkeit für Co-Working. Im Haus befindet sich zudem die Gemeindebücherei, die gut angenommen wird. Gemeinsam mit der Vereinshalle und weiteren Treffpunkten im Ort verfügt Leisel damit über mehrere Orte für Vereinsleben und Begegnung.
Ausführlich wurde bei der Ortsbegehung auch über die Windkraft gesprochen. Anlass sind drei Windenergieanlagen, die im benachbarten Siesbach errichtet werden sollen. Obwohl die Anlagen nicht auf Leiseler Gemarkung stehen und die Gemeinde damit nicht unmittelbar von den entsprechenden Einnahmen profitiert, ist Leisel von dem Projekt betroffen: Für Schwertransporte ist eine Route durch den Leiseler Wald vorgesehen.
„Dass das vor Ort für Unmut sorgt, kann ich nachvollziehen. Die Belastungen eines Windparks enden nicht an der Gemarkungsgrenze. Wenn eine Gemeinde Wege und Infrastruktur für den Bau zur Verfügung stellen soll, die Einnahmen aber an anderer Stelle anfallen, stellt sich berechtigterweise die Frage nach einer fairen Verteilung“, so Julia Klöckner.
Dass es dafür auch andere Modelle geben kann, zeigt aus Sicht der Bundestagsabgeordneten die Verbandsgemeinde Rüdesheim im Landkreis Bad Kreuznach. Dort haben sich alle 32 Ortsgemeinden auf einen Solidarfonds verständigt. Ein Teil der Pachteinnahmen aus der Windenergie fließt in einen gemeinsamen Topf und wird nach einem festgelegten Schlüssel auf sämtliche Ortsgemeinden verteilt. Zusätzlich wurde eine Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet, um die Interessen der beteiligten Gemeinden zu bündeln und möglichst viel Wertschöpfung in der Region zu halten.
„Die Ausgangslage in der Verbandsgemeinde Birkenfeld ist natürlich eine andere, weil hier bereits Windenergieanlagen stehen und bestehende Vereinbarungen nicht einfach neu verteilt werden können. Aber mit Blick auf neue Projekte finde ich den Gedanken interessant: Wenn mehrere Gemeinden die Auswirkungen eines Windparks spüren, sollte man überlegen, wie auch mehrere Gemeinden davon profitieren können. Das kann Akzeptanz schaffen und verhindert, dass am Ende auf der einen Seite die Einnahmen und auf der anderen Seite vor allem die Belastungen liegen“, erklärt Julia Klöckner.
Auch der Birkenfelder Verbandsgemeindebürgermeister Matthias König sieht in dem Ansatz eine interessante Möglichkeit für künftige Windkraftprojekte. Er stand dazu bereits mit seinem Rüdesheimer Amtskollegen Markus Lüttger im Austausch. Für Julia Klöckner ist das ein sinnvoller Ansatz, der weiterverfolgt werden sollte: „Man kann die Modelle nicht eins zu eins übertragen. Aber es lohnt sich, voneinander zu lernen und zu schauen, welche Lösung zur eigenen Verbandsgemeinde passt.“
Die Ortsbegehung in Leisel habe einmal mehr gezeigt, wie unterschiedlich die Themen in den kleineren Gemeinden seien: „Vom schnellen Internet über neue Räume für das Dorfleben bis zur Frage, wie Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien vor Ort verteilt wird – im direkten Gespräch erfährt man, wo es gut läuft und wo Entscheidungen an anderer Stelle ganz konkrete Auswirkungen auf eine Gemeinde haben.“
