Wenn nachts ein Bus hält, jemand aussteigt und nach dem Befinden fragt, eine warme Decke reicht, einen Tee und Aufmerksamkeit schenkt – dann ist das nicht Bürokratie, sondern gelebte Menschlichkeit. Genau das hat die heimische Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner MdB bei ihrem Treffen mit dem Team des Kältebusses von Verein Rheinhessen hilft e. V. erlebt. „Der Kältebus ist mehr als ein saisonales Winterangebot. Vor allem in den späten Abendstunden und nachts ist der Bus unterwegs. Fährt durch die Straßen, spricht Menschen an, hört zu, hilft direkt vor Ort – ohne Formular, ohne „Bitte warten“. Die Hilfe kommt zum Menschen – nicht umgekehrt. Niedrigschwellig, respektvoll und ohne Vorbedingungen, so lautet das Selbstverständnis des ehrenamtlichen Teams um Marcio Dremel, das sich unermüdlich engagiert“, beschreibt Julia Klöckner MdB die Arbeit, die sich ausschließlich über Spenden finanziert. Wie wird das Team auf Hilfesuchende aufmerksam, wollte die Politikerin im Gespräch wissen. Oft seien es Anrufe von umsichtigen Menschen, die sie erreichen. Zudem kenne das Team nach einigen Jahren im Einsatz die neuralgischen Punkte. Zwei Notunterkünfte betreibt der Verein.
Julia Klöckner MdB weiter: „In Deutschland muss eigentlich niemand auf der Straße leben. Und doch gibt es Menschen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen, Hilfe anzunehmen oder sich um die notwendigen Schritte zu kümmern. Hinter jedem steckt ein persönliches Schicksal – geprägt von Verlust, Krankheit, Einsamkeit oder traumatischen Erfahrungen. Diese Lebenswege lassen sich nicht einfach beurteilen, sondern müssen akzeptiert werden. Gerade deshalb ist aufsuchende Sozialarbeit so wichtig: Sie geht zu den Menschen und reicht eine Hand, wo Eigeninitiative allein nicht mehr möglich ist.“
Nach Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) sind in diesem Winter in Deutschland bereits vier Wohnungslose an Unterkühlung gestorben. Insgesamt sollen in Deutschland mehr als 50 000 Menschen auf der Straße leben. Gerade in einer Zeit, in der Wohnungslosigkeit in Deutschland ein wachsendes gesellschaftliches Problem ist, gewinnt die Arbeit der Kältebusse an Bedeutung: Schätzungen zufolge sind mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland ohne festen Wohnsitz, darunter viele, die regelmäßig Notunterkünften aufsuchen. Bundesweit engagieren sich zahlreiche Initiativen mit ähnlichen Konzepten: Mobile Kälte- und Wärmebusse versorgen Wohnungslose in Städten mit warmen Getränken, Decken, Schlafsäcken und Kleidung und bieten Gesprächs- und Kontaktmöglichkeiten, die oft der erste Schritt zu weiterführender Hilfe sind. Doch der Kältebus von „Rheinhessen hilft e.V.“ geht noch weiter: Er begleitet Menschen nicht nur auf der Straße, sondern unterstützt auch bei Arztterminen, im Krankenhaus oder im Umgang mit Behörden. Das Team arbeitet mit Erfahrung, Einfühlungsvermögen – und sogar mit einem eigenen Arzt vor Ort, wodurch medizinische Einschätzungen und Erstversorgungen direkt und unbürokratisch erfolgen können. Was als Winterhilfe begann, ist heute ein 365-Tage-Einsatz für Wärme, Sicherheit und Würde.
Julia Klöckner MdB nach dem Treffen: „Mir ist es ein besonderes Anliegen, diese herausragende Arbeit von Marcio Demel und seinem Team sichtbar zu machen, besser zu vernetzen und dafür zu sorgen, dass lebensnahe Hilfe nicht an Bürokratie oder fehlender Aufmerksamkeit scheitert. Denn hier zählt jeder Moment – und jede Begegnung kann Leben retten.“
Der Verein zur Förderung sozial und gesundheitlich benachteiligter Menschen in Mainz und Umgebung e. V. wurde im Jahr 2019 gegründet und ist heute in ganz Rheinhessen aktiv. Das Einsatzgebiet umfasst neben der Stadt Mainz die Landkreise Bad Kreuznach, Mainz-Bingen und Alzey-Worms.
Wer die Arbeit unterstützen möchte, findet Informationen unter: www.rheinhessen-hilft.de
